19.12.2024
Am 4. Dezember wurde im Hohenloher Krankenhaus Öhringen das besiegelt, für was bereits im vergangenen Jahr von Landratsamt, Gesundheitsamt, der Kreisärzteschaft, der Bezirksärztekammer und dem Hohenloher Krankenhaus der Grundstein gelegt wurde: Ein Weiterbildungsverbund für Medizinerinnen und Mediziner, die sich in der Allgemeinmedizin weiterbilden möchten, können im Hohenlohekreis ab sofort eine Verbundweiterbildung machen. Dieser sogenannte Weiterbildungsverbund Hohenlohe dient der besseren Begleitung und Unterstützung von Ärztinnen und Ärzten bei der Weiterbildung zu Allgemeinmedizinern und soll ihnen die Attraktivität des Standortes nahebringen und dem immer dramatischer werdenden Hausärztemangel entgegenwirken.
„42 Prozent der Hausärztinnen und -ärzte im Hohenlohekreis
werden in den nächsten fünf bis zehn Jahren in den Ruhestand gehen – die
demografische Entwicklung zeigt sich also auch hier, sodass die Sicherstellung
einer wohnortnahen Versorgung gefährdet ist“, machte Landrat Ian Schölzel
gleich zu Beginn der Auftaktveranstaltung der Gründung des
Weiterbildungsverbundes im Limes-Casino des Hohenloher Krankenhaus deutlich. Er
freue sich sehr den Weiterbildungsbund Hohenlohe jetzt gemeinsam mit allen
Akteuren an den Start bringen zu können. „Durch die enge Vernetzung aller
Beteiligten und der Koordinierung durch das Gesundheitsamt wird die Akquise des
Nachwuchses und das Finden von Nachfolgerinnen und Nachfolgern für die Praxen
nun auch von Seiten des Landratsamtes aktiv unterstützt, um die ärztliche Versorgung
dauerhaft sicherzustellen“, sagte Schölzel. Untersuchungen hätten gezeigt, dass
sich 84 Prozent der Ärztinnen und Ärzte später in einem Umkreis von 25
Kilometern um den letzten Ort der Weiterbildung niederlassen. „Wir haben eine
tolle Möglichkeit, den jungen Fachkräften, den Hohenlohekreis als attraktiven
Arbeits- und Wohnort zu präsentieren. Allen, die die ihren Teil zum
Weiterbildungsverbund beitragen, ein herzliches Dankeschön. Ich wünsche uns
allen viel Erfolg bei diesem wichtigen Projekt.“
Hohenloher
Krankenhaus jetzt Partner für die Weiterbildung von angehenden
Allgemeinmedizinern
Ebenfalls sichtlich glücklich über die Gründung des
Weiterbildungsverbundes zeigte sich Melanie Zeitler-Dauner, Kaufmännische
Direktorin des Hohenloher Krankenhauses, die die Anwesenden im Namen des
Krankenhauses „noch im alten Gebäude – nächstes Jahr dann auch gerne im gerade
entstehenden Krankenhaus-Neubau „herzlich begrüßte. Sie dankte zunächst allen
Beteiligten – dem Landratsamt, dem Gesundheitsamt und der gesamten Kreisärzteschaft
für die gute Zusammenarbeit in Vorbereitung des Weiterbildungsverbundes. „Wir
haben in den vergangenen Monaten zusammengesessen und dieses Projekt aktiv mit
Leben gefüllt, Ideen entwickelt, Rotationspläne erstellt, usw.. Wo andere
Urlaub machen, dürfen wir arbeiten. Ich freue mich, dass wir die Verzahnung
ambulanter und stationärer medizinischer Versorgung Leben und gemeinsam dafür
arbeiten, junge Kolleginnen und Kollegen hier her zu holen und ihnen zeigen,
wir attraktiv der Standort ist, um sich mit ihrer Familie niederzulassen. Ich
freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen allen. Die ersten Kontakte und
Gespräche waren bis schon sehr offen und konstruktiv – in den kommenden, von
nun an regelmäßigen, Treffen werden sie es sicherlich auch weiterhin sein“,
sagte Melanie Zeitler-Dauner.
Wie wichtig die Gründung eines Weiterbildungsverbundes war
bestätigte auch Daniela-Ursula Ibach, Vizepräsident der Bezirksärztekammer
Nord-Württemberg und selbst Niedergelassene Ärztin in Filderstadt. Sie bezeichnete die Gründung des
Weiterbildungsverbundes als „einen wichtigen Baustein, um der der drohenden
Mangelversorgung im hausärztlichen Bereich im ländlichen Raum
entgegenzuwirken“. Man müsse die jungen Kolleginnen und Kollegen dort abholen,
wo sie gerade stehen. In der Regel seien die angehenden Ärzte zwischen 26 und
32 Jahre alt, wenn sie mit dem Studium fertig sind und mit der Weiterbildung
beginnen – befänden sich also in der Phase der Familiengründung. „Das sind
junge Familien, in denen beide Elternteile in der Regel arbeiten. Da ist es
besonders wichtig, dass sich alles konzentriert an einem Ort befindet, dass die
Kinderversorgung gewährleistet ist, dass sie irgendwo bezahlbaren Wohnraum
finden und die Wege zur Arbeit kurz sind“, erklärte Daniela-Ursula Ibach. Des
Weiteren sei auch die garantierte Rotation ein wesentlicher Vorteil des
Weiterbildungsmodells, so Ibach weiter. Noch ein wichtiger Vorteil sei, dass
die Weiterbildung jetzt unter einem Dach stattfindet. „Es gibt zu jeder Zeit
feste Ansprechpartner. Es ist ähnlich wie das Lernen innerhalb einer
Peer-Group“, sagte Ibach. Insgesamt sei das Modell eine Win-Win-Situation für
alle, da bei Absolvierung der ärztlichen Weiterbildung im Verbund
Planungssicherheit und Kontinuität auf allen Seiten herrsche. „Die
Niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen, wie auch die Ärzte im Hohenloher
Krankenhaus wissen immer, das immer jemand nachrückt und die jungen
Medizinerinnen und Mediziner können ihre gesamte Weiterbildung hier im
Hohenlohekreis absolvieren – ohne Umzug und erneute Bewerbung“, so Ibach.
Nach den Grußworten sprach die Leiterin des
Kompetenzzentrums Recht der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg Simone Wahl über
die Aufgaben der Bezirksärztekammer, die neben ihrer beratenden Funktion auch
die entsprechenden Weiterbildungsbefugnisse bescheinigt, Prüfungen abnimmt und
bei Weiterbildungswechseln hilft. Simone Wahl machte deutlich, dass Weiterbildungsverbünde
immer mehr an Bedeutung gewinnen. Alleine in Nordwürttemberg gäbe es bereits
sieben solcher Zusammenschlüsse und erste Erfolge seien schon zu erkennen.
Paul Frank Portenhauser, Kassenärztliche Vereinigung
Baden-Württemberg, ging danach auf Fördermöglichkeiten für die Ärztinnen und
Ärzte in der Weiterbildung und deren Ausbilder unter dem Dach der
„Fördermöglichkeiten Allgemeinmedizin“ ein. Er stellte zudem die Erfolge vor,
die Weiterbildungsverbünde in anderen Kreisen in Baden-Württemberg bereits
feiern konnten.
Annemarie Flicker-Klein, Amtsleiterin des Gesundheitsamtes
des Hohenlohekreises, bedankte sich bei allen, „die sich bereit erklärt haben,
den Weiterbildungsverbund mit Leben zu füllen – den niedergelassenen
Hausärzten, dem Hohenloher Krankenhaus – die ganz praktisch den angehenden
Allgemeinmedizinerinnen und -medizinern ab sofort Wissen vermitteln“, aber auch
bei den Kolleginnen und Kollegen von Landratsamt und Gesundheitsamt, die den
Weg für den Weiterbildungsverbund mit geebnet hätten.