25.08.2022
Stillberatung im Hohenloher Krankenhaus

„Stillen. Unser gemeinsamer Weg.“ lautet das Motto der diesjährigen Weltstillwoche, die vom 3. bis zum 10. Oktober stattfindet und zum Ziel hat, das soziale Umfeld einer stillenden Mutter zu sensibilisieren: Unterstützung während der Stillzeit ist wichtig. Das sehen auch die beiden Stillberaterinnen im Hohenloher Krankenhaus Mareike Falk und Regina Schoch so, die mit Herzblut über ihr Thema berichten.
Mareike Falk und Regina Schoch sind beide weitergebildete
Still- und Laktationsberaterinnen und arbeiten auf der Wochenstation im dritten
Stock des Hohenloher Krankenhauses. Beide sind als Kinderkrankenschwestern angestellt und als
Stillberaterinnen zeitweise freigestellt, um sich konkret mit den Müttern und
Vätern um das Thema Stillen zu kümmern.
Vor der Corona-Pandemie fanden dreimal wöchentlich Stillberatungen in kleinen Gruppen statt. Dies hatte den Vorteil, dass sich die stillenden Mütter austauschen konnten. Derzeit ist die Stillberatung im Zimmer. Zudem können jederzeit Fragen gestellt werden – sowohl an die Krankenschwestern/-pfleger als auch an die Stillberaterinnen. „Das ganze Personal auf der Wochenstation kennt sich mit dem Thema Stillen bestens aus, wir sind zusätzlich stundenweise genau dafür freigestellt“, erklärt Mareike Falk. Das entlastet das Team und sorgt für klare Zuständigkeiten. Die Stillberaterinnen haben Ruhe und können sich Zeit nehmen. Ihnen sind die familiäre Atmosphäre und der natürliche Umgang mit Geburt und Stillen wichtig. Diese besondere Atmosphäre macht die Geburtshilfe im Hohenloher Krankenhaus insgesamt aus.
„Nicht jede Mutter kann stillen, nicht jede Mutter will
stillen, wir gehen auf alle Bedürfnisse sensibel ein“, sagt Regina Schoch. Die
Stillberaterinnen begleiten, leiten an, geben Tipps und ganz wichtig: Sie geben
Bestätigung. Aber sie treffen keine Entscheidungen und üben keinen Druck aus –
die Mütter wissen selbst am besten, womit sie sich wohlfühlen. Wollen sie
stillen und eine Möglichkeit finden, z. B. mit Schmerzen beim Stillen umzugehen
und etwas dagegen zu tun? Oder möchten sie sich dem Druck entziehen? Beides ist
völlig in Ordnung. Wenn eine Mutter nicht stillen möchte oder es z. B. aufgrund
einer Erkrankung nicht klappt, können Medikamente verabreicht werden, die den
Milcheinschuss unterdrücken.
Stillen ist für die beiden Stillberaterinnen ein gesellschaftliches
Thema. Sie freuen sich, dass es immer mehr in den Fokus rückt, z. B. durch
stillende Promis oder das Stillen in der Öffentlichkeit. Unterstützt wird die
Akzeptanz in der Gesellschaft auch durch Studien, die das Positive des Stillens
herausarbeiten, sowie durch bessere
politische Voraussetzungen, z. B. die Möglichkeit, am Arbeitsplatz zu stillen
bzw. abzupumpen, und Mutterschafts- sowie Elternzeit. Grundsätzlich ist das
Stillen aber eine private Angelegenheit und sollte sensibel angegangen werden.
Auch die Stillberaterinnen fragen erst, ob die Frau damit einverstanden ist,
dass ihre Brust angefasst wird oder ob es in Ordnung ist, wenn der Besuch
zuschaut.
Mit welchen Fragen die Stillberaterinnen häufig konfrontiert
werden, darauf wissen sie schnell eine Antwort: „Kann man ein Baby überfüttern?
Und wie kann man verhindern, das Kind zu verwöhnen?“ Da schmunzeln die beiden,
denn diese Fragen stammen noch aus vorherigen Generationen und werden
weitergetragen. Eine Überfütterung kann nicht stattfinden, das Kind weiß
selbst, wie viel es trinken möchte und hört dann auf. Und verwöhnen geht auch
nicht – die Kinder finden nach und nach ihren eigenen Weg, auch wenn sie
anfangs im Elternbett schlafen oder viel getragen werden. Die Stillberaterinnen
sind sich einig: „Die Mütter und Väter sollen auf ihre Intuition hören und sich
nicht durch Einflüsse von außen irritieren lassen.“
Die Stillberaterinnen sind im Krankenhaus vor Ort, nach dem
Krankenhausaufenthalt kümmern sich die Hebammen bei der Nachsorge um die Mutter
und beraten diese auch zum Thema Stillen.
Die Weltstillwoche ist eine von der „World Alliance for Breastfeeding Action“
(WABA) organisierte Aktionswoche. Sie wird jährlich in 120 Ländern abgehalten.
In Deutschland findet sie immer in der 40. Kalenderwoche eines Jahres statt.
Unter Beteiligung von WHO und UNICEF ist sie die größte gemeinsame Kampagne
aller stillfördernden Organisationen.


