12.06.2022

Am 30. Mai informierte Dr. Holger Wolff, Chefarzt der Abteilung Anästhesiologie, operative Intensiv- und Notfallmedizin am Hohenloher Krankenhaus in Öhringen, bei einem Vortrag im Blauen Saal im Öhringer Rathaus über Narkose- und Betäubungsverfahren.
Im medizinischen Bereich wird für eine Narkose der Begriff Anästhesie verwendet, dieser bedeutet Empfindungslosigkeit. Hierbei geht es um die Ausschaltung der Schmerzwahrnehmung sowie anderer physiologischer Reaktionen und Reflexe. Dies dient zum einen verbesserter Operationsbedingungen und zum anderen dem Schutz und Wohlbefinden von Patient*innen während eines operativen Eingriffes.
Was ist Anästhesie und läuft eine Narkose ab?
Die erste Narkose erfolgte am 16. Oktober 1846, dem sogenannten „Ether Day“, durch William Thomas Green Morton. An diesem Datum findet jährlich der Weltanästhesietag statt. Die moderne Anästhesie, welche wir heute kennen, gibt es seit den 1990er-Jahren. Ziele einer Narkose sind ein angenehmes, schnelles Einschlafen und Erwachen, kein Aufwachen während der Narkose, Schmerzfreiheit, keine Übelkeit und Erbrechen und eine gute postoperative Viglianz (Wachheit nach der Narkose).
Die moderne Anästhesie als medizinisches Fach besteht aus folgenden Säulen: Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie und Palliativmedizin. Um Anästhesist*in, also Facharzt bzw. Fachärztin für Anästhesiologie, zu werden, bedarf es nach dem Medizinstudium fünf Jahre Weiterbildung in Vollzeit. Anschließend kann eine jeweils zweijährige Zusatzweiterbildung in Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie absolviert werden. Im Hohenloher Krankenhaus arbeiten fünf Fachärzt*innen für Anästhesie mit zusammen fast 130 Jahren Berufserfahrung, seit sechs Monaten außerdem eine Kollegin aus der Ukraine mit ca. 10 Jahren Berufserfahrung im Ausland.
Das Narkose-Team besteht
immer aus einer Anästhesistin / einem Anästhesisten und einer Fachkrankenschwester
/ einem Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensiv oder einem/einer ATA (Anästhesietechnische*r
Assistent*in). Wenn der OP-Termin feststeht, erfolgt die sogenannte Prämedikation, also das Vorgespräch mit
einer Anästhesistin / einem Anästhesisten. Hierbei wird ein Fragebogen
durchgearbeitet, um eventuelle Allergien, Vorerkrankungen, eingenommene
Medikation oder körperliche Befunde festzustellen. Dies ist wichtig für eine
individuelle Auswahl des passenden Anästhesieverfahrens und um Komplikationen im
Vorfeld zu minimieren. Um Ängsten vorzubeugen, werden individuelle Fragen der
Patient*innen beantwortet. Im Anschluss an das Gespräch wird das Formular von Arzt/Ärztin
und Patient*in unterschrieben, um die Einwilligung zur gewählten Narkoseform zu
bestätigen. Um Erbrechen und Aspirationen während bzw. nach einer Operation zu
verhindern, ist eine Nüchternheit von ca. sechs Stunden vorher notwendig. Meist
ist Essen und Trinken nach einer Narkose schnell wieder möglich.

Patient*innen liegen auf speziellen Operationsliegen und erhalten vorgewärmte Decken und Matten, um ein Auskühlen während der Operation zu verhindern. Im Vorfeld der OP wird ein Venenzugang gelegt, über den Medikamente genau dosiert verabreicht werden können. Die Patient*innen erhalten während der Narkose eine medikamentöse Prophylaxe, sodass es nach dem Eingriff / der Narkose zu keiner Übelkeit kommt. Während des Eingriffs und auch danach im Aufwachraum findet eine lückenlose Überwachung der Patient*innen am Monitor durch das Narkose-Team statt.
Welche Narkoseformen gibt es?
Möglich sind mehrere Narkoseformen. Man unterscheidet zwischen Vollnarkose und Teilnarkose. Bei der Allgemeinanästhesie sind Bewusstsein und Schmerzempfinden im ganzen Körper ausgeschaltet, während z. B. bei der Armplexus-Anästhesie nur das Schmerzempfinden in Arm und/oder Schulter unterbrochen wird. Zudem gibt es die Möglichkeit, das Schmerzempfinden in einzelnen Nerven auszuschalten. Die Periduralanästhesie (PDA) und der Spinalanästhesie werden vor allem bei Eingriffen in der unteren Körperhälfte angewendet. Die PDA ist vor allem Schwangeren bekannt, diese kann während der Geburt verabreicht werden, um die Schmerzen auszuschalten, aber ohne den natürlichen Geburtsverlauf einzuschränken.
Im Vorfeld eines Eingriffs wird das Narkoseverfahren gewählt, das für die jeweiligen Patient*innen das Höchstmaß an Sicherheit und Komfort verspricht. Schmerzen und Übelkeit werden genommen, das Gleichgewicht im Körper wird aufrechterhalten und die Autonomie der Patient*innen wird für den längstmöglichen Zeitraum gewahrt.