10.10.2022

Nadja Britsch hat sich mit über 50 Jahren zu einer Ausbildung in der Pflege entschieden

„Es ist nie zu spät, um etwas zu lernen.“

„Es ist nie zu spät, um etwas zu lernen.“

Man kennt sie hauptsächlich strahlend und voller Energie – ihren Beruf liebt sie, das merkt man schnell. Und auch wenn sie häufig für eine erfahrene Fachkraft gehalten wird, Nadja Britsch ist im zweiten Lehrjahr in der Ausbildung zur Pflegefachfrau im Hohenloher Krankenhaus.

Die 53-Jährige hat zwei erwachsene Kinder – eine Tochter ist ebenfalls in der Pflege im Hohenloher Krankenhaus tätig – und hat eine Menge Lebenserfahrung im Gepäck, die ihr bei der Ausbildung zugutekommt. Ganz Neuling im Bereich ist sie nicht. Bevor sie Kinder bekam, arbeitete sie als Apothekenhelferin – das Interesse an Medikamenten, Wirkweisen und dem menschlichen Körper war ein Grund für diesen Beruf. Später entschied sie sich für einen Job in einer Fabrik, weil es dort möglich war, durch Schichtarbeit mehr Geld zu verdienen. Es folgte eine Pause, in der sie sich um ihre beiden Töchter und weitere Familienmitglieder kümmerte.

Als ihre Schwiegermutter krank wurde, kam sie mit der Nachbarschaftshilfe in Berührung und entschied sich dazu, nach einer Kurz-Weiterbildung zur Pflegehilfskraft, in diesem Bereich in einer Teilzeitanstellung zu arbeiten – insgesamt 14 Jahre lang. In dieser Zeit merkte sie eine Veränderung. Was als Betreuungsangebot anfing – Essen zubereiten, mit den Menschen sprechen, spazieren gehen etc. – entwickelte sich zusehends zu einem Putzjob. „Betreuung kam so gut wie nicht mehr vor. Das war sehr enttäuschend für mich, denn mir geht es um die Menschen“, sagt Nadja Britsch. Außerdem empfand sie die Fahrerei zunehmend als störend, da sie lieber beständig nach ihren Patient*innen schauen möchte und nicht nur dann, wann es im Plan steht.

„Ich habe schon immer Krankenpfleger*innen bei der Arbeit zugeschaut, wenn es möglich war. Das hat mich sehr interessiert. Ich wollte verstehen, was die tun und wie das alles funktioniert“, erklärt die Auszubildende ihren Berufswunsch. Ihr Bedürfnis, etwas Neues zu lernen, sei unendlich groß. Daher lernt sie nebenbei auch noch Italienisch und liest Biografien. Nach Jahren der Familienzeit, in der sie ihre eigenen Bedürfnisse oftmals hinten anstellen musste, folgt sie nun ihren Leidenschaften. Ihr Leben habe sich schon durch die Ausbildung verändert. Vor allem die Vollzeit- und Schichtarbeit stellen neue Herausforderungen dar, ebenso wie das Lehrlingsgehalt. „Das klappt schon alles, aber nur mit Rückhalt der Familie – und die unterstützt mich dabei.“

Dass sie mit Abstand die älteste Auszubildende in ihrem Jahrgang ist, ist ihr durchaus bewusst und sie kommt damit gut klar. „Ich bin die ‚Muddi‘, aber das ist für mich völlig in Ordnung. Ich werde behandelt wie alle anderen auch und komme mit den anderen Auszubildenden sehr gut klar,“ betont sie. Sie fühle sich angenommen und geschätzt und sehe keine Nachteile, im Gegenteil. Daher möchte sie auch andere motivieren, egal in welchem Alter, neue Herausforderungen anzunehmen und ihre Interessen zu verfolgen.

Ihre Lebens- sowie auch die fachliche Erfahrung helfen ihr in ihrem Beruf, sie kann sich in anderen hineinversetzen und hat bereits eine gewisse Routine im Umgang mit Medikamenten einerseits und Betreuung andererseits entwickelt. In der Ausbildung gefällt ihr vor allem die Verbindung von Theorie und Praxis und dass sie viele Facetten der Pflege in der sogenannten generalistischen Pflegeausbildung kennenlernt: Krankenhaus, Seniorenheim, ambulanter Pflegedienst Kinderkrankenpflege. Sie schätzt vor allem an ihrem Beruf die Möglichkeit, anderen helfen zu können und zieht u. a. Energie aus Dankbarkeit und Liebe, die sie von Patient*innen und Angehörigen erhält.

Für die Zeit nach der Ausbildung hat Nadja Britsch auch schon große Pläne: „Das lebenslange Lernen geht weiter. Ich möchte viele Fortbildungen machen und auch Praxisanleiterin werden, um zukünftige Auszubildende an den Beruf heranführen zu können.“ Wir wünschen ihr dabei viel Erfolg.