30.06.2022

Rund 260.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich einen Schlaganfall. Dabei kommt es zu einer „schlagartig“ einsetzenden Durchblutungsstörung des Gehirns – ein Notfall, der unbehandelt häufig zum Tod oder zu anhaltenden Behinderungen und Pflegbedürftigkeit führen kann.
Um dies zu vermeiden, ist bei einem
Schlaganfall schnelles Handeln wichtig: vor allem die Versorgung in einer
spezialisierten Schlaganfallstation verbessert die Prognose für die Betroffenen
erheblich. Im Hohenloher Krankenhaus Öhringen gibt es seit einigen Jahren eine
solche spezialisierte Station, die sog. „Stroke Unit“. Hier werden jährlich
rund 250 Patienten versorgt. Für die guten Prozesse und die abgestimmte Behandlung
von Schlaganfallpatienten wurde das Hohenloher Krankenhaus jetzt erneut nach
den Qualitätsstandards der „Arbeitsgemeinschaft Schlaganfallstationen
Baden-Württemberg e.V.“ als „Lokale Schlaganfallstation“ ausgezeichnet und für
drei weitere Jahre zertifiziert.
„Wir freuen
uns sehr über diese erneute Bestätigung für die hohe Qualität des gesamten
Behandlungsteams auf unserer Stroke
Unit“, betont die Leiterin der Schlaganfalleinheit Chefärztin Dr. Sabine
Richter. „Die Rückmeldung der externen Prüfer beim Audit unterstreicht, dass
wir im Hohenloher Krankenhaus eine hochwertige wohnortnahe Versorgung von
Patienten mit Schlaganfall sicherstellen können und eine wichtige Aufgabe
innerhalb des Schlaganfallkonzepts Baden-Württemberg erfüllen.“ Denn die rasche
Versorgung in einer zertifizierten Stroke Unit sei bei Verdacht auf
Schlaganfall entscheidend.

„Die Stroke
Unit ist eine abgeschlossene Betteneinheit, die in Öhringen direkt an die
Intensivstation angegliedert ist. Hier kümmern sich Ärzte, Therapeuten und
speziell geschultes Pflegepersonal rund um die Uhr um die Betreuung von
Schlaganfallpatienten in der Akutphase“, erläutert die Fachärztin für
Neurologie und Geriatrie. „Die lebenswichtigen Werte wie Puls, Blutdruck,
Temperatur, Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung des Blutes werden rund um die
Uhr überwacht; ebenso wie der neurologische Zustand der Patientinnen und
Patienten.“ In den meisten Fällen löst eine Verstopfung der Blutgefäße den
Schlaganfall aus. Falls möglich werde dann frühzeitig die sog. Lyse-Therapie
eingeleitet. Dabei werden die Blutgerinnsel, die bei einem Schlaganfall die
Blutgefäße verschließen, mit Hilfe von Medikamenten aufgelöst und das Gehirn wird
schnell wieder durchblutet.
„Mit der
raschen Behandlung auf unserer Schlaganfallstation können wir die gefürchteten
Folgeschäden wie Lähmungen, Sprach- oder Gleichgewichtsstörungen oft zumindest
eindämmen und zum Teil sogar ganz verhindern“, beschreibt die Neurologin das
Ziel der Therapie auf der Stroke Unit. Wichtig sei es außerdem die Ursache für
den Schlaganfall zu erkennen, um schnell eine gezielte Therapie einzuleiten
und so einen erneuten Schlaganfall
zu verhindern. „Hier verfügen wir über die kardiologische Expertise durch die
Ärztinnen und Ärzte vor Ort bei uns im Haus.“ Bei der Schlaganfallbehandlung
insgesamt sei der engagierte Einsatz und die enge Abstimmung des gesamten
ärztlichen, pflegerischen und therapeutischen Teams entscheidend, so Dr.
Richter. „Wichtig ist, dass unsere erfahrenen Physio-, Logo- und
Ergotherapeutinnen ebenso wie das speziell ausgebildete Pflegepersonal so früh
wie möglich mit Rehabilitationsmaßnahmen beginnen. Gezielte Bewegungsübungen,
Sprech- und Gedächtnistraining helfen dem Patienten, seine Alltagsfähigkeiten
wiederzugewinnen. Außerdem berät der Sozialdienst frühzeitig über weitere
Reha-Möglichkeiten nach der Entlassung und organisiert diese.“
Dass diese Zusammenarbeit
der verschiedenen Berufsgruppen im Hohenloher Krankenhaus sehr gut
funktioniert, bestätigten auch die externen Prüfer im Auftrag der „Arbeitsgemeinschaft
Schlaganfallstationen Baden-Württemberg e.V.“ in ihrem Audit. „Im Hohenloher
Krankenhaus profitieren wir von den kurzen Wegen und können uns rasch und
strukturiert über die weiteren Therapiemaßnahmen austauschen. Das kommt direkt
den Patienteninnen und Patienten zugute“, beschreibt Dr. Richter die Vorteile
im Krankenhaus in Öhringen.
Sie appelliert
an alle Patienten und deren Angehörige, auch die Symptome eines leichteren
Schlaganfalls ernst zu nehmen und beim Verdacht auf einen Schlaganfall immer sofort
die Notrufnummer 112 anzurufen. „Jeder Zeitverlust führt zu neurologischen
Schäden und kann Langzeitfolgen wie Lähmungen und Pflegebedürftigkeit zur Folge
haben.“
Das Foto wurde vor der Corona-Pandemie aufgenommen.