18.05.2022

Gallensteine - klein und gemein

Gallensteine - klein und gemein

Prof. Dr. Frank A. Wenger (Chirurgie) und Dr. Detlef Marx (Innere I) informierten bei ihrem Vortrag über die Diagnostik und Behandlung von Gallensteinen im Hohenloher Krankenhaus.

„Unklare Schmerzen im Oberbauch, ein ständiges Völlegefühl, Erbrechen, eine Gelbfärbung von Augen und Haut – diese Symptome müssen medizinisch abgeklärt werden“, erklärte Dr. Detlef Marx. Es könne sich z. B. um eine Magenschleimhautentzündung oder ein Magengeschwür handeln, oder eben um eine Gallenerkrankung bzw. Gallensteine. Wenn alles „normal“ ist, gelangt Gallenflüssigkeit in den Dünndarm und unterstützt die Verdauung; ist aber z. B. zu viel Cholesterin in der Gallenblase, können Gallensteine entstehen. Diese bilden sich wie Kristalle bei „ruhender“ Flüssigkeit.

Diagnose und Endoskopie
Dr. Marx erläuterte die verschiedenen Untersuchungsverfahren, um eine Gallenerkrankung zu diagnostizieren. „Dazu gehört neben der Ultraschalluntersuchung z. B. auch die sog. ERCP, eine spezielles Verfahren, das wir im Hohenloher Krankenhaus anbieten können und bei dem z. B. kleinere Gallensteine im Gallengang direkt entfernt werden können.“ Hierbei wird unter Narkose ein Schlauch in den Gallengang eingeführt, an diesem ist eine Kamera mit sehr hoher Auflösung befestigt. Auch entsprechende Instrumente können angeschlossen werden. Über einen Monitor hat der Gastroenterologe (Facharzt für Magen- und Darmerkrankungen) alles sehr genau im Blick und kann daher auch millimetergenau arbeiten und so Verletzungen des umliegenden Gewebes bei der Untersuchung vermeiden. Wer „steinreich“ ist, könne zwar Glück haben und beschwerdefrei sein, es bestehe aber das Risiko, dass sich aufgrund der Gallensteine z. B. Gallenkoliken, Bauchspeichel- bzw. Gallenentzündungen oder sogar ein Gallenkarzinom entwickeln. Dr. Marx betont: „Gallensteine können auch bei der Endoskopie entfernt werden, verengte Gallengänge können wir mit einem Stent erweitern. Zu große Gallensteine und geschädigte Gallenblasen und natürlich Karzinome müssen operiert bzw. entfernt werden.“

Gallensteine - klein und gemein
Im OP ist Prof. Dr. Wenger zuständig. Die beiden Chefärzte stehen in engem Kontakt über die Patientinnen und Patienten und wägen fallbezogen die Therapie ab. Die beiden Ärzte unterscheiden zwischen geplanten Operationen und notfallmäßigen Eingriffen – zu letzteren gehört z. B. eine akut entzündete Gallenblase, oftmals ausgelöst durch Gallensteine, mit kolikartigen Schmerzen. Gallensteine ohne zeitgleiche Beschwerden können geplant operiert werden. „Es sind aber nicht nur die ganz großen Gallensteine, die Risiken bieten“, so der chirurgische Chefarzt, „sondern auch die ganz kleinen Gallenblasensteine – denn diese können wandern und zu einer folgenschweren Bauchspeicheldrüsenentzündung führen. Klein und gemein – wie im richtigen Leben“. Außerdem könnten Karzinome durch Reibung entstehen, daher sollte auch bei erhöhtem Risiko für ein Gallenblasenkarzinom operiert werden.

Minimalinvasive Operation
In den meisten Fällen kann die Operation laparoskopisch, also über mehrere kleine Schnitte erfolgen, verbunden mit einem kurzen stationären Aufenthalt von zwei bis drei Tagen im Krankenhaus. Dieses sogenannte minimalinvasive Operationsverfahren („Schlüsselloch-OP“) hat zudem weitere Vorteile, z. B. weniger Schmerzen und schnellere Heilung, ebenso weniger Komplikationen. Prof. Dr. Wenger verwies auf die hervorragende moderne Ausstattung in den Operationssälen im Hohenloher Krankenhaus und die hohen Sicherheitsstandards vor, während und nach der Operation. Dabei erläuterte er auch das sogenannte Team-Time-out: Hierbei wird ein Sicherheitscheck im OP durchgeführt, zusammen mit den Anästhesisten wird noch einmal gecheckt, dass Patient*in, Narkose- und Operationsverfahren wirklich übereinstimmen.

Vorbeugung und Risikofaktoren
Zur Vorbeugung von Gallensteinen rät Dr. Marx: „Essen Sie etwas Fetthaltiges vor dem Schlafengehen und verzichten Sie nach Möglichkeit bei ihrer Ernährung auf Industriezucker; auch die Pille birgt ein gewisses Risiko.“ Grundsätzlich rät er zu einer mediterranen Ernährungsweise mit geringem Alkoholkonsum. Er verweist außerdem auf Risikofaktoren, die man leider nicht beeinflussen kann: Geschlecht – Frauen sind mehr gefährdet –, blonde Haarfarbe, Übergewicht, Fruchtbarkeit, genetische Veranlagung.
Mehr Informationen unter: 07941 692-231