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10.05.2021

Interview mit Dr. Sabine Richter, Leiterin Stroke Unit, Neurologin und Chefärztin Geriatrie

Tag gegen den Schlaganfall am 10.5.2021

Tag gegen den Schlaganfall am 10.5.2021

Was ist eigentlich ein Schlaganfall und wer ist besonders davon betroffen? Kann man einem Schlaganfall vorbeugen und wie kann man ihn im Falle eines Falles erkennen? Der Tag gegen den Schlaganfall stellt dieses wichtige medizinische Thema in den Mittelpunkt und möchte dafür sensibilisieren.

1. Wie entsteht ein Schlaganfall?

In den allermeisten Fällen entsteht ein Schlafanfall durch eine Durchblutungsstörung im Gehirn. Hierbei verschließt sich ein Gefäß, das das Hirn versorgt. Das kann z. B. durch einen Thrombus (Blutgerinnsel) im Herzen geschehen, der ins Hirn „schießt“, oder ein Blutgefäß verdickt, bis es zugeht. Dies führt dazu, dass der betroffene Teil im Gehirn nicht mehr funktionieren kann. Dies hat z. B. Auswirkungen auf die Sprache, das Sprechen, die Motorik, Bewegungen von Armen und Beinen, Sitzen und Stehen und es kann zu Gefühlsstörungen kommen.

2. Woran erkennt man einen Schlaganfall?

Man erkennt einen Schlaganfall daran, dass plötzlich Defizite auftreten beim Sprechen, bei der Wortfindung, bei der Motorik etc. Und das ist wirklich relevant: Es geht um „schlagartige“ Änderungen von einer auf die anderen Sekunde, nicht um auftretenden Symptome über längere Zeiträume hinweg.

Es gibt einen einfachen Test, mit dem man Symptome eines Schlaganfalls prüfen kann, die sogenannte FAST-Methode (siehe Grafik).

FAST-Methode

3. Was sollte man bei Schlaganfallsymptomen machen?

Bei akut auftretenden Störungen wie oben beschrieben, sollte sofort ein Notruf abgesetzt werden. Es sollte keine unnötige Zeit verstreichen, z. B. durch Anrufe bei Verwandten oder beim Hausarzt sowie duschen und Koffer packen. Außerdem sollte man auf keinen Fall selbst ins Krankenhaus gehen oder fahren.

Der Rettungsdienst schaut genau hin, welche Medikamente die Patientin bzw. der Patient einnimmt, das ist wichtig für die Therapie bzw. Medikamentengabe, außerdem wird vom Rettungswagen aus direkt Kontakt mit der Klinik aufgenommen.

4. Wie wird ein Schlaganfall behandelt?

Eine akute stark blutverdünnende Therapie mit hohen Erfolgsaussichten kann nur in den ersten 4,5 Stunden nach Auftreten der Symptome erfolgen. In einem Zeitfenster von 20 Stunden können bei manchen Patient*innen Thrombektomien durchgeführt werden. In diesen Fällen muss eine Gefäßverstopfung auf dem Röntgenbild zu sehen sein. Speziell ausgebildete Ärzte an Unikliniken und medizinischen Zentren können diese Art von Behandlung durchführen. Wir kooperieren dazu mit dem Zentrum in Heidelberg.

5. Kann man einem Schlaganfall vorbeugen? Gibt es Warnzeichen?

Vorbeugen geht auf jeden Fall, durch eine gesunde Lebensweise. Dazu gehört auch, regelmäßig den Blutdruck zu überprüfen und bei Bluthochdruck u. U. auch Tabletten zu nehmen. Auch Übergewicht sowie Diabetes, Bewegungsmangel, ein erhöhter Cholesterinspiegel und Rauchen schadet den Gefäßen – und kann zu einem erhöhten Schlaganfallrisiko führen. Auch übermäßiger Alkoholkonsum wirkt sich negativ aus – interessant in diesem Zusammenhang: schon zwei Flaschen Bier am Tag bei Frauen und drei Flaschen Bier am Tag bei Männern sind zu viel.

Bei Grunderkrankungen und hohem Alter steigt das Risiko für einen Schlaganfall. Es gibt übrigens keine geschlechtsspezifischen Unterschiede bei Schlaganfällen.

6. In Öhringen gibt es eine Stroke Unit (Schlaganfallstation) – was passiert dort?

Auf der Schlaganfallstation in Öhringen, welche der Intensivstation angegliedert ist, wird der Patient zuerst körperlich untersucht, eine Computertomographie des Kopfes durchgeführt sowie wichtige Laborwerte bestimmt. Wenn möglich, erfolgt eine medikamentöse Auflösung der Durchblutungsstörung (Lysetherapie), diese kann jedoch nur in den ersten 4,5 Stunden nach dem Auftreten der Beschwerden durchgeführt werden (s. o.).

Bei allen Patienten auf der Schlaganfallstation werden der Herzrhythmus, Blutdruck, Blutzucker und Sauerstoffgehalt des Blutes überwacht. Außerdem beginnen die Kolleg*innen der Krankengymnastik, Logopädie und Ergotherapie baldmöglichst mit der Therapie, um die durch den Schlaganfall verursachten Schäden zu minimieren. Bereits auf der Schlaganfallstation beginnt die Suche nach der Ursache des Schlaganfalls.

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