23.11.2021

Am 17. November informierten die Chefärzte des Hohenloher Krankenhauses Prof. Dr. Frank A. Wenger (Chirurgie) und Dr. Detlef Marx (Innere I) zum Thema Gallensteine. Dabei betrachteten sie den kompletten Prozess von der Diagnose bis hin zur Behandlung und stellten das interdisziplinäre Ineinandergreifen von Diagnostik und Behandlung im Hohenloher Krankenhaus in den Fokus.
„Unklare Schmerzen im Oberbauch, ein ständiges Völlegefühl,
Erbrechen, eine Gelbfärbung von Augen und Haut – diese Symptome müssen
medizinisch abgeklärt werden“, erklärt Dr. Detlef Marx. Es könne sich z. B. um
eine Magenschleimhautentzündung oder ein Magengeschwür handeln, oder eben um
eine Gallenerkrankung bzw. Gallensteine. Wenn alles „normal“ ist, gelangt Gallflüssigkeit
in den Dünndarm und unterstützt die Verdauung; ist aber z. B. zu viel
Cholesterin in der Gallenblase, können Gallensteine entstehen. Diese bilden
sich wie Kristalle bei „ruhender“ Flüssigkeit.
Diagnose und Endoskopie
Dr. Marx erläuterte die verschiedenen Untersuchungsverfahren, um
eine Gallenerkrankung zu diagnostizieren. „Dazu gehört neben der
Ultraschalluntersuchung z. B. auch die sog. ERCP, eine spezielles Verfahren,
das wir im Hohenloher Krankenhaus anbieten können und bei dem z. B. kleinere
Gallensteine direkt entfernt werden können.“ Hierbei wird unter Narkose ein
Schlauch in den Gallengang eingeführt, an diesem ist eine Kamera mit sehr hoher
Auflösung befestigt. Auch entsprechende Instrumente können angeschlossen werden.
Über einen Monitor hat der Gastroenterologe (Facharzt für Magen- und
Darmerkrankungen) alles sehr genau im Blick und kann daher auch millimetergenau
arbeiten und so Verletzungen des umliegenden Gewebes bei der Untersuchung
vermeiden.
Wer „steinreich“ ist, könne zwar Glück haben und beschwerdefrei
sein, es bestehe aber das Risiko, dass sich aufgrund der Gallensteine z. B.
Gallenkoliken, Bauchspeichel- oder Gallenentzündungen oder sogar ein
Gallenkarzinom entwickeln. Dr. Marx betont: „Gallensteine können auch bei der
Endoskopie entfernt werden, verengte Gallengänge können wir mit einem Stent
erweitern. Zu große Gallensteine und geschädigte Gallenblasen und natürlich
Karzinome müssen operiert bzw. entfernt werden.“
Gallensteine - klein und gemein
Im OP ist Prof. Dr. Wenger zuständig. Die beiden Chefärzte stehen
in engem Kontakt über die Patientinnen und Patienten und wägen fallbezogen ab. Die
beiden Ärzte unterscheiden zwischen geplanten Operationen und notfallmäßigen
Eingriffen – zu letzteren gehört z. B. eine akut entzündete Gallenblase,
oftmals ausgelöst durch Gallensteine, mit kolikartigen Schmerzen. Gallensteine
ohne zeitgleiche Beschwerden können geplant operiert werden. „Es sind aber
nicht nur die ganz großen Gallensteine, die Risiken bieten“, so der chirurgische
Chefarzt, „sondern auch die ganz kleinen Gallenblasensteine – denn diese können
wandern und zu einer folgenschweren Bauchspeicheldrüsenentzündung führen. Klein
und gemein – wie im richtigen Leben“. Außerdem könnten Karzinome durch Reibung
entstehen, daher sollte auch bei erhöhtem Risiko für ein Gallenblasenkarzinom
operiert werden.
Minimalinvasive Operation
In den meisten Fällen kann die Operation laparoskopisch, also über
mehrere kleine Schnitte erfolgen, verbunden mit einem kurzen stationären
Aufenthalt von zwei bis drei Tagen im Krankenhaus. Dieses sogenannte
minimal-invasive Operationsverfahren („Schlüsselloch-OP“) hat zudem weitere
Vorteile, z. B. weniger Schmerzen und schnellere Heilung, ebenso weniger
Komplikationen. Prof. Dr. Wenger verwies auf die hervorragende moderne
Ausstattung in den Operationssälen im Hohenloher Krankenhaus und die hohen
Sicherheitsstandards vor, während und nach der Operation. Dabei erläuterte er
auch das sogenannte Team-Time-out: Hierbei wird ein Sicherheitscheck im OP
durchgeführt, zusammen mit den Anästhesisten wird noch einmal gecheckt, dass
Patient*in, Narkose- und Operationsverfahren wirklich übereinstimmen.
Vorbeugung
und Risikofaktoren
Zur Vorbeugung von Gallensteinen rät Dr. Marx: „Essen Sie etwas
Fetthaltiges vor dem Schlafengehen und verzichten Sie nach Möglichkeit bei
ihrer Ernährung auf Industriezucker; auch die Pille birgt ein gewisses Risiko.“
Er verweist außerdem auf Risikofaktoren, die man leider nicht beeinflussen
kann: Geschlecht – Frauen sind mehr gefährdet –, blonde Haarfarbe, Übergewicht,
Fruchtbarkeit, genetische Veranlagung.
Bei akuten Beschwerden und zur Abklärung können sich Patientinnen
und Patienten in der Sprechstunde unserer Chefärzte vorstellen. Dort können
Maßnahmen zur individuellen Behandlung besprochen werden. Telefon für ambulante Termine:07941 692-231