02.08.2021
Schlaganfall
„Die meisten Risikofaktoren können wir selbst beeinflussen“

Wie können medizinische Laien erkennen, ob es sich um einen Schlaganfall handelt? Diese Frage beantwortete die Neurologin Dr. Sabine Richter bei ihrem Vortrag im Blauen Saal in Öhringen und stellte die wichtigsten Anzeichen für einen Schlaganfall vor.
Verständlich erklärt und mit vielen anschaulichen Beispielen erläuterte die Fachärztin für Neurologie und ärztliche Leiterin der Schlaganfallstation im Hohenloher Krankenhaus die wichtigsten Symptome, die auf einen Schlaganfall hinweisen. „Dazu gehören z. B. ein Taubheitsgefühl oder eine Schwäche oder gar Lähmung in einem Arm oder in einem Bein. Oft sind Arm und Bein einer Körperseite betroffen“, machte die Chefärztin deutlich. „Eine Schwäche in beiden Armen oder in beiden Beinen ist meist kein Schlaganfall.“ Weitere häufig auftretende Anzeichen für einen Schlaganfall seien etwa ein herabhängender Mundwinkel, undeutliches Sprechen oder auch Wortfindungsstörungen. „Entscheidend ist, dass all diese Beschwerden bei einem Schlaganfall plötzlich und – wie das Wort schon sagt – schlagartig auftreten. Eine langsame Entwicklung über Tage, Wochen oder Monate findet in der Regel nicht statt.“
Mit dem FAST-Test die Symtome prüfen
Die
Neurologin stellte den sog. „FAST-Test“ vor, mit dem auch Laien, dieses
Symptome schnell überprüfen können, wenn sie bei einem Angehörigen einen
Schlaganfall vermuten. „Wenn Sie den Verdacht auf einen Schlaganfall haben,
sofort den Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112 anrufen! Nicht abwarten,
nicht erst zum Hausarzt gehen und nicht selbst losfahren!“, machte die
Chefärztin deutlich. „Sonst geht wertvolle Zeit verloren.“ In ihrem Vortrag betonte
Dr. Richter, wie wichtig außerdem zusätzliche Informationen durch Angehörige
oder Bekannte für die weitere Behandlung sind. „Wir müssen z.B. wissen, wieviel
Zeit vergangenen ist, seit die Symptome aufgetreten sind oder wann man den
Betroffenen zuletzt in seinem normalen Zustand erlebt hat. Wichtig sind auch
Informationen über mögliche Vorerkrankungen und die Medikamente, die der oder
die Betroffene einnehmen.“ Denn dies beeinflusse die weitere Diagnostik und
Therapie.
Lysetherapie auf der Stroke Unit
Im
Krankenhaus folge in der Regel neben der körperlichen Untersuchung und der Messung
der Vitalparameter (Blutdruck, Puls, Herzrhythmus, Sauerstoffsättigung,
Blutzucker) eine Schnittbildgebung des Gehirns mittels CT, um die Ursache und
die Ausbreitung des Schlaganfalls zu erkennen. „Danach entscheiden wir, ob z.B.
eine Lysetherapie möglich ist, Dabei wird das Gerinnsel, dass ein Gefäß
verstopft und damit zu der Durchblutungsstörung im Gehirn geführt hat, mit
einem stark blutverdünnenden Medikament aufgelöst“, so Dr. Richter. Bei einer
weiteren Therapiemöglichkeit, der sog. mechanischen Thrombektomie, arbeite man
im Hohenloher Krankenhaus mit der Universität Heidelberg zusammen.

Kontinuierliche Überwachung und Früh-Reha
„Entscheidend
wichtig für den weiteren Verlauf sind dann die nächsten 72 Stunden“, betont die
Neurologin. In dieser Zeit werden die Patienten auf der Schlaganfallstation,
der sog. „Stroke Unit“, kontinuierlich überwacht und regelmäßig neurologisch untersucht.
„Unser Team aus Pflege, Physiotherapeutinnen, Logotherapeutinnen und Ergotherapeutinnen
beginnt außerdem schon jetzt mit der Frühreha, um eventuell beeinträchtige
Körperfunktionen oder kognitive Einschränkungen bei den Patienten wieder zu
trainieren“, beschreibt Dr. Richter das Vorgehen. Auch der Sozialdienst werde
frühzeitig hinzugezogen, um die weitere Situation der Betroffenen zu klären.
„Täglich besprechen wir in unserem interdisziplinären Team auf der Stroke Unit
die Fortschritte jedes einzelnen Patienten und legen gemeinsam die weiteren
Schritte fest.“
Hohenloher Krankenhaus als lokale Stroke Unit zertifiziert
Rund 250
Schlaganfallpatienten werden nach diesem Schema pro Jahr auf der Stroke Unit im
Hohenloher Krankenhaus in Öhringen behandelt. Seit 2017 ist das Hohenloher
Krankenhaus nach den Fachkriterien der Deutschen Schlaganfallgesellschaft und der
Deutschen Schlaganfallhilfe als „lokale Stroke Unit“ zertifiziert. Die
Behandlung geht allerdings auch nach der Verlegung auf die Normalstation weiter.
„Jetzt geht es darum gemeinsam mit den Internisten, die Ursachen für den
Schlaganfall zu klären und diese zu behandeln, um einen erneuten Schlaganfall
möglichst zu verhindern“, erläutert die Neurologin. Bei Vorhofflimmern – einer
sehr häufigen Ursache für den Schlaganfall – gebe es zum Beispiel verschiedene
neue wirksame Medikamente, die helfen können.
Risikofaktoren beeinflussen
„Aber jeder und jede von uns kann auch selbst
etwas dafür tun, die Risiken für einen Schlaganfall zu senken“, machte Dr.
Richter deutlich. „Außer dem Alter können wir die meisten Risikofaktoren durch
unsere Lebensführung selbst beeinflussen.“ Dazu gehöre u.a. Übergewicht zu
vermeiden und sich regelmäßig ausreichend zu bewegen. „Wichtig ist auch, dass
der Blutdruck und eventuell der Zuckerwert regelmäßig kontrolliert und gut
eingestellt sind“, so Richter. „Rauchen und übermäßiger Alkoholgenuss sind
ebenso schädlich und können zu einem Schlaganfall führen. Das wissen wir
eigentlich alle – und müssen eben dann auch entsprechend handeln.“
Hier finden Sie die Folien zum Vortrag.


