10.07.2019
"Jeder kann selbst sein Risiko für einen Schlaganfall senken“
Dr. Michael Ackermann informierte im Hohenloher Krankenhaus über die Ursachen und Therapie des Schlaganfalls – Nicht Rauchen, mehr Bewegung und die medikamentöse Behandlung von Risikofaktoren beachten.
"Beim
Verdacht auf Schlaganfall zählt jede Minute, deshalb zögern Sie nicht, sondern
rufen Sie sofort die 112 an und warten Sie nicht darauf, dass es Ihnen
vielleicht am nächsten Morgen wieder besser geht! Denn mit jeder Minute gehen
Hirnzellen unwiederbringlich verloren." Mit diesen eindringlichen Worten machte
Dr. Michael Ackermann, Chefarzt der Inneren Medizin II am Hohenloher
Krankenhaus, die Brisanz eines Schlaganfalls für die Betroffenen deutlich. Vor
mehr als 100 Besuchern informierte er am vergangenen Dienstag in Künzelsau in
seinem Vortrag über die Ursachen und die Therapie des Schlaganfalls aber auch
darüber, wie man einem Schlaganfall vorbeugen kann.
Zunächst sei
es für die Angehörigen oder Umstehenden wichtig, möglichst rasch die Symptome
eines Schlaganfalls zu erkennen und dann schnell und richtig zu reagieren, so
der Facharzt für Innere Medizin und Leiter der Schlaganfallstation im
Hohenloher Krankenhaus. Hinweise auf einen Schlaganfall könnten z.B. Lähmungen
und Gefühlsstörungen sein oder auch ein hängender Mundwinkel. "Sehstörungen, Störungen
beim Sprechen oder eine verwaschene Sprache können ebenfalls auf einen
Schlaganfall hindeuten", erläuterte Dr. Ackermann. Heftige, plötzlich
auftretende Kopfschmerzen oder plötzlicher Schwindel mit Gangstörungen seien weitere
Symptome eines möglichen Schlaganfalls. "Dann ist es wichtig, dass Sie sofort
die Notrufnummer 112 wählen, damit der Patient umgehend in ein Krankenhaus mit
einer Schlaganfallstation gebracht werden kann. Denn auf einer
Schlaganfallstation, der sog. Stroke Unit, wie wir sie am Hohenloher
Krankenhaus Öhringen haben, beginnen wir sofort mit der Diagnostik und leiten dann umgehend die erforderliche
Therapie ein. Je schneller mit der Behandlung begonnen wird, desto größer sind
die Chancen, Schäden im Gehirn zu vermeiden."
Bei einem
Schlaganfall gibt es grundsätzlich zwei Auslöser: eine Hirnblutung (in ca. 20 %
der Fälle) oder eine Durchblutungsstörung des Gehirns z.B. durch ein
Blutgerinnsel (80% der Fälle). "Bei einer Durchblutungsstörung können wir durch
die sog. Lyse-Therapie das Blutgerinnsel auflösen und die Durchblutung so wieder
herstellen", beschreibt Dr. Ackermann das Vorgehen. Dies sei jedoch nur in den ersten 4,5
Stunden nach dem Schlaganfall möglich. Eine weitere Möglichkeit das
Blutgerinnsel zu entfernen, ist die mechanische
Thrombektomie durch einen feinen Katheter, der ins Hirn eingeführt wird.
Auf der
Schlaganfallstation beginnt außerdem ein Team aus Ärzten, Pflegekräften,
Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden sofort mit der Früh-Reha, damit
der Patient möglichst rasch seine Alltagsfähigkeiten wiedererlangen kann.
Dr. Ackermann
legte in seinem Vortrag einen besonderen Schwerpunkt auf die Möglichkeiten, wie
man einem ( erneuten ) Schlaganfall vorbeugen kann. Dabei gelte es die
Risikofaktoren zu erkennen und diese dann zu behandeln. "Häufige Ursache für
einen Schlaganfall ist das Vorhofflimmern. Daher muss dies diagnostiziert und etwa
durch blutverdünnende Mittel konsequent behandelt werden." Gut behandelbar seien
auch Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterin-Werte ebenso wie Diabetes oder eine
Engstelle der Halsschlagader. "Jeder von uns kann aber durch eine
Verhaltensänderung auch selbst dazu beitragen, das Risiko für einen Schlaganfall
zu senken", mahnte der Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie. "Nicht
Rauchen, Alkohol nur in Maßen, eine gesunde Ernährung und vor allem ausreichend
Bewegung für täglich ca. 30 Minuten - das sind die wichtigsten Punkte, die
jeder beachten sollte. Denn beim Schlaganfall addieren sich die Risiko-Faktoren
nicht nur - sie multiplizieren sich", machte Dr. Ackermann deutlich.
In der
anschließenden lebhaften Fragerunde beantwortete der Chefarzt zahlreiche
weiterführende Fragen etwa zu blutverdünnenden Medikamenten und der Diskussion
um Cholesterin-Werte.
Mit dem
FAST-Test einen Schlaganfall erkennen:
FACE: Bitten Sie die Person zu lächeln. Ist das Gesicht
einseitig verzogen? Das deutet auf eine Halbseitenlähmung hin.
ARMS: Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu
strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Bei einer Lähmung
können nicht beide Arme gehoben werden, sinken oder drehen sich.
SPEECH / SPRACHE: Lassen Sie die Person einen einfachen
Satz nachsprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme
verwaschen, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.
TIME oder TELEFON:
Wählen Sie unverzüglich die 112 und schildern Sie die Symptome.


