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Entstehung, Krankheitsbilder und Therapie

Entstehung 

Musiker sind - auch wenn sie in der glücklichen Lage scheinen, ihre Leidenschaft erfolgreich zum Beruf gemacht zu haben - einer Vielzahl von Belastungen ausgesetzt, die im Laufe der Berufsjahre, oft auch bereits während der Ausbildung, zu charakteristischen körperlichen und psychischen Beschwerden führen können, die zumindest mit bedingt sind durch das Instrumentalspiel oder das Singen.An der Spitze der Beschwerden von Musikern stehen akute oder chronische Schmerzen sowie Aufführungsangst und psychische Symptome.

Zur Entstehung der schmerzhaften Probleme des Bewegungsapparates trägt vor allem das bereits in früher Kindheit begonnene permanente Training identischer Bewegungsmuster bei, die in extremer zeitlicher und räumlicher Präzision mit hohem Automatisierungsgrad ablaufen und immer auch physiologisch schwächere Bereiche einbeziehen. Daneben ergeben sich außergewöhnliche Anforderungen durch die besonderen Bau- und Spielweisen der Instrumente mit einem hohen Anteil an asymmetrischen Körperhaltungen sowie eine sehr geringe Akzeptanz gegenüber unkonventionellen, aber ergonomisch günstigeren Veränderungen an Instrumenten und Zubehör.

Häufige Ursachen von Musikerkrankheiten:

  •  Plötzliche Steigerung der Gesamtspieldauer, z.B. vor Wettbewerben
  •  Veränderungen am Instrument, z.B. Größe, Saitenqualität, Steghöhe
  •  Anatomische Varianten, z.B. Sehnenkopplungen, Hypermobilität
  •  Belastende außermusikalische Tätigkeiten
  •  Ungeeignete Übetechniken, fehlende Pausen
  •  Haltungsschwäche, Konditionsmängel 
  •  Ungünstige ergonomische Bedingungen 
  •  unzureichende Rehabilitation nach früheren Gesundheitsschäden

Die spezifische Situation im Orchester, insbesondere im Orchestergraben kann zusätzliche Belastungen bringen: Ungeeignete Stühle ohne individuelle Anpassung, unfreies Spielen durch räumliche Enge, mangelhafte Beleuchtung und schlechtes Notenmaterial, schädigende Lautstärkepegel und nicht zuletzt die besondere hierarchische und Gruppensituation des Orchesters können Mitverursacher chronischer Erkrankungen sein.
Auch spezifische psychophysische Wechselwirkungen kommen bei Musikern zum Tragen: Der Musikerberuf setzt eine hohe Sensibilität gepaart mit Selbstdisziplin voraus, damit ein ausreichend technisch-künstlerisches Niveau erreicht werden kann. Doch bereits in der Ausbildung erfahren die Musiker, dass sie nahezu nie ihren eigenen Anforderungen oder denen anderer vollständig gerecht werden und stehen unter erheblichem Leistungs- und Konkurrenzdruck.

Krankheitsbilder

Besondere Bedeutung für die Prävention von gesundheitlichen Störungen besitzt die Bewältigung des Lampenfiebers. Die ständige Erbringung komplizierter motorischer Leistungen unter den Bedingungen äußerer Bewertung stellt nicht nur eine akute psychische Belastung dar, sondern fördert auch die Entstehung von chronischen Ängsten und psychosomatischen Störungen.

Art und Ausmaß der Gesundheitsstörungen werden wesentlich vom Instrument und vom Umfang der beruflichen Betätigung bestimmt. Von der höchsten körperlich-instrumentalen Belastung ist bei Orchestermusikern und viel beschäftigten Solisten auszugehen. Nach den Ergebnissen zahlreicher Studien geben durchschnittlich 75% der Orchestermusiker ein aktuelles oder früher erlebtes medizinisches Problem an, welches die Berufsausübung erschwert und die Qualität des Spiels vermindert. Bei Kindern und Jugendlichen, die sich in einer intensiven musikalischen Ausbildung befinden, liegt dieser Prozentsatz wahrscheinlich noch höher. An der Spitze der subjektiv angegebenen Beschwerden stehen das Lampenfieber, gefolgt von Schmerz- und Bewegungsproblemen des Rückens sowie der Arme. Als weitere häufige Befunde werden verschiedenartige Sehnenerkrankungen, Tinnitus, Nervendruckschädigungen und Koordinationsstörungen genannt.

Typische Krankheitsbilder sind:

Chronische Überlastungssyndrome am Bewegungsapparat Nervenkompressions- und Outletsyndrome, "Durchspielen der Finger" Wirbelsäulenerkrankungen Sehnenscheidenentzündungen Durchblutungsstörungen des Gehirns und Lungenemphysem bei Bläsern Psychosomatische Störungen Stimmstörungen Lärmschwerhörigkeit Erkrankungen des Kiefergelenks und des Ansatzapparats Kontaktallergien, Ekzeme, DruckstellenWährend bei älteren Musikern degenerative Erkrankungen und Störungen aus dem rheumatischen Formenkreis überwiegen, dominieren bei Studenten eher unspezifische Überlastungssyndrome, dieeinen eindeutigen kausalen Bezug zu Übegewohnheiten, Repertoireauswahl und Lehrerwechseln besitzen.

Der Häufigkeitsgipfel der Überlastungssyndrome liegt bei den 20 - 40jährigen Musikern, wobei Frauen stärker betroffen sind als Männer. Bevorzugt erkranken Streicher, gefolgt von Tasteninstrumentalisten, Gitarristen, Holzbläsern, Blechbläsern und Schlagzeugern.

Behandlung

VideofeedbackDie Selbstkonfrontation mit dem äußeren Erscheinungsbild im Beisein eines Coaches ist ein wirksames Verfahren zur Verbesserung von Körperhaltung und Performance bei Künstlern, aber auch bei Nicht-Musikern, Führungskräften, Politikern, Sportlern usw.

Bei Instrumentalmusikern gelingen mit dieser Methode seit langem angestrebte Haltungskorrekturen oft erstmals und nachhaltig.

Von besonderer praktischer Relevanz sind Krankheiten, die nicht durch das Instrumentalspiel oder Singen entstehen, aber eine musikerspezifische Therapie erfordern. Häufig geht es dabei um die Abwägung zwischen operativen und konservativen Therapiemaßnahmen (z.B. bei der Versorgung von Knochenbrüchen nach Unfällen, oder bei Erkrankungen in kritischen Körperregionen, wie der Hand, der Schilddrüse oder des Zahnapparates) oder um die optimale, d.h. nebenwirkungsarme, medikamentöse Einstellung chronischer Erkrankungen.

Unfälle und Allgemeinerkrankungen:

Bei bestimmten Unfällen und Allgemeinerkrankungen kann eine spezielle musikergerechte Therapie erforderlich werden, wenn es z.B. um die Entscheidung für ein operatives oder ein konservatives Vorgehen geht oder bestimmte Nebenwirkungen von Medikamenten unbedingt vermieden werden müssen, weil diese die Spielqualität beeinflussen.

Lampenfieber

Lampenfieber ist eines der häufigsten Probleme. Es kann die Präsentation des wahren Leistungsvermögens verhindern und langfristig zu psychosomatischen Störungen führen. Hilfe suchen nicht nur Künstler, sondern auch jene, deren beruflicher Erfolg maßgeblich von einem sicheren Auftritt in der Öffentlichkeit abhängt.

Die Bewältigung übermäßigen Lampenfiebers erfordert zunächst eine Analyse der Art, der Entstehungsbedingungen und individuellen Ausprägungsform dieses Zustandes beim Betroffenen, bevor eine adäquate Auswahl aus dem breiten Therapiespektrum getroffen werden kann.

Die medizinischen Probleme von Musikern tangieren oft verschiedene Fachgebiete, so dass die Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der Erkrankungen interdisziplinär gestaltet werden müssen.

Der Musikermediziner hat hierbei die Aufgabe, die entscheidenden diagnostischen Impulse zu setzen, Therapiekonzepte zu koordinieren, zu kontrollieren bzw. in die richtigen Bahnen zu lenken. Gerade im Bereich von neuen Querschnittsdisziplinen ohne ausgedehnten wissenschaftlichen Hintergrund und mit einem hohen Anteil psychischer und psychosomatischer Komponenten kommt es dabei auf die Durchsetzung hoher Behandlungsstandards an.

Sieht man von Unfällen oder Allgemeinerkrankungen ab, erschließen sich die meisten Musikererkrankungen aus der Beziehung des Künstlers zu seinem Instrument, so dass es zur erfolgreichen ärztlichen Behandlung tief greifender Kenntnisse vom Musizieren, den Lerntechniken und den Eigenarten der Instrumente bedarf.

Außerdem ist zur Stellung einer korrekten Diagnose die genaue Betrachtung des Musikers an seinem Arbeitsgerät, dem Instrument, erforderlich. Genau dieser Umstand wird jedoch in den Allgemein- und Facharztpraxen in aller Regel nie realisiert, was dazu beiträgt, dass ein Großteil der Behandlungsverläufe unbefriedigend verläuft.

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